Menschen, die unsere digitale Welt geprägt haben

Viele Grundlagen unserer digitalen Welt – von Algorithmen bis Kryptographie – gehen auf Ideen aussergewöhnlicher Menschen zurück, die ausserhalb der Fachwelt oft wenig bekannt sind. Auf dieser Webseite stellen wir ein paar dieser Persönlichkeiten vor und geben einen kurzen Einblick in ihre Geschichte. Diese Webseite und die Auswahl der vorgestellten Personen stammt von einem Informatikstudierenden und wurde im Rahmen der Informatiktage an der ETH Zürich erstellt.
Profile

Alan Turing

Mitbegründer der theoretischen Informatik

Alan Turing (1912–1954) war ein britischer Logiker, Mathematiker und Kryptoanalytiker. Mit der Turing-Maschine entwickelte er ein einfaches mathematisches Modell, mit dem sich beschreiben lässt, was ein Algorithmus ist und welche Probleme überhaupt berechenbar sind. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete Turing an Methoden, um die deutsche Enigma-Verschlüsselung zu knacken, und trug entscheidend dazu bei, die Funksprüche der Nazis zu entschlüsseln. Sein Leben nahm ein tragisches Ende: 1952 wurde er in Grossbritannien wegen seiner Homosexualität verurteilt und zu einer hormonellen Zwangsbehandlung gezwungen. Zwei Jahre später starb er im Alter von 41 Jahren, vermutlich durch Selbstmord.
"Alan Turing (1951)" by Elliott & Fry / Wikimedia Commons / Public Domain
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Claude Shannon

Vater der Informationstheorie

Claude Shannon (1916–2001) legte mit seiner Arbeit die mathematischen Grundlagen dafür, wie Information gemessen, übertragen und verarbeitet werden kann. Er modernisierte die Kryptographie und beschäftigte sich früh mit der Frage, wie Maschinen spielen und denken können. Schon in den 1950er-Jahren entwickelte er grundlegende Strategien und Algorithmen für Computer-Schach. Sein einflussreichster Artikel „A Mathematical Theory of Communication“ wurde anfangs nicht ernst genommen, weil seine mathematische Darstellung vielen zu einfach erschien. Tatsächlich begründete Shannon damit jedoch die Informationstheorie, und prägte dabei auch den Begriff „Bit“, die grundlegende Einheit digitaler Information.
Bild: "Claude E. Shannon" by Tekniska Museet / CC BY-SA 2.0
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Grace Hopper

Erfinderin der modernen Programmiersprache

Grace Hopper (1906–1992) war eine US-amerikanische Informatikpionierin und Offizierin der United States Navy. Sie entwickelte einen der ersten Compiler. Das sind Programme, die menschenlesbare Befehle automatisch in Maschinencode übersetzen. Damit wurde Programmieren deutlich einfacher: Statt Nullen und Einsen zu schreiben, konnten Programme in einer verständlicheren Sprache formuliert werden. Hopper war ausserdem massgeblich an der Entwicklung der Programmiersprache COBOL beteiligt, die jahrzehntelang in Wirtschaft und Verwaltung eingesetzt wurde. Berühmt wurde auch eine Anekdote aus ihrer Zeit am Harvard-Computerlabor: 1947 fand ihr Team im Computer Harvard Mark II eine Motte, die ein Relais blockierte. Das Insekt wurde ins Logbuch geklebt und mit dem Kommentar „First actual case of bug being found“ versehen. „Bug“ bedeutet eigentlich Käfer, und ist heute das englische Wort für einen Programmfehler.
Bild: "Commodore Grace M. Hopper, USNR" by James S. Davis / U.S. Navy (NH 96919-KN) / Public Domain
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Niklaus Wirth

Schweizer Informatikpionier

Niklaus Emil Wirth (1934–2024) war ein Schweizer Informatiker. Er prägte die Informatik in der Schweiz entscheidend und entwickelte mehrere einflussreiche Programmiersprachen, darunter EULER, ALGOL-W, MODULA und PASCAL. Für diese Arbeiten erhielt er 1984 den ACM Turing Award, den „Nobelpreis der Informatik“. Von 1968 bis 1999 war Wirth Professor an der ETH Zürich und bildete Generationen von Informatikerinnen und Informatikern aus. Nach ihm benannt ist das Wirthsche Gesetz, das besagt, dass „Software schneller langsam wird, als Hardware schneller wird“ - ein Hinweis darauf, wie wichtig einfache und effiziente Programme sind.
Bild: Andreas Eggenberger, ETH Zürich/D-INFK
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Shafi Goldwasser &
Silvio Micali

Kryptographie-Duo

Kann man einer farbenblinden Person beweisen, dass zwei Stifte verschiedenfarbig sind? Ja! Gib ihr einen roten und einen grünen Stift. Sie darf diese hinter ihrem Rücken beliebig vertauschen – oder auch nicht – und zeigt sie dir wieder. Wenn du jedes Mal korrekt sagen kannst, ob sie vertauscht wurden, wird klar: Du musst die Farben unterscheiden können. Dieses Spiel ist ein Beispiel für ein interaktives Beweissystem. Solche Ideen sind in der modernen Kryptographie von zentraler Bedeutung. Für ihre grundlegenden Arbeiten dazu erhielten Goldwasser und Micali den ACM Turing Award, den „Nobelpreis der Informatik“. Shafrira „Shafi“ Goldwasser (geb. 1958) ist Professorin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, und am Weizmann Institute of Science in Israel. Silvio Micali (geb. 1954) ist ebenfalls Professor am MIT.
Bild: "Silvio Micali" (cropped) by Rguillou228 / CC BY-SA 4.0
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Aaron Swartz

Kämpfer für freies Wissen

Aaron Hillel Swartz (1986–2013) war ein US-amerikanischer Programmierer, Unternehmer und Aktivist. Er wirkte an der Entwicklung von RSS, einem Format, mit dem sich neue Inhalte von Webseiten automatisch abonnieren lassen, mit. Ausserdem war er an der Entstehung der Creative-Commons-Lizenzen beteiligt, die es ermöglichen, Werke frei zu teilen und zu nutzen. Trotz seines Erfolgs als Unternehmer wandte er sich zunehmend dem politischen Aktivismus zu. Swartz setzte sich leidenschaftlich für freien Zugang zu Wissen im Internet ein. Er starb 2013 im Alter von nur 26 Jahren. Bei seiner Beerdigung sprach kein Geringerer als Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web.
Bild: "Aaron Swartz" by Sage Ross / CC BY-SA 2.0